Der Stellenwert schulischer Ausbildung im bäuerlichen Sanktanna

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
  weite  Teile  unserer Sanktannaer  Gesellschaft empfanden  die  schulische Ausbildung ihrer Kinder eher  als  einen  ver-
  ordneten Zwang, denn eine wichtigen Voraussetzung für eine berufliche Perspektive im gesellschaftlichen System. Der
  wirtschaftliche Wert wurde reduziert auf die Fähigkeit des Rechnens auf minimalen Niveau   im bäuerlichen Betrieb.
  Lesen  und  Schreiben,  ohne tiefgreifenden grammatischen Hintergrund, begleitet unsere Gesellschaft  bis  in die  8-te
  Siedlergeneration.
 

"Das geistige Erbe des bäuerlichen Sanktannas"

 
  warum haben die Söhne und Töchter Sanktannas, von Beginn                     
  unserer Siedlungsgeschichte bis Mitte des 20-ten Jahrhundert,
  so wenig Schulbildung erfahren. (?)
  An  der  schulischen  Infrastruktur  kann  es nicht gelegen haben,
  Kaiserin Maria Theresia hatte bereits am 12 Juli 1751 die Eröffnung
  einer  konfessionellen  Schule in  Sanktanna  genehmigt, um den
  Kindern deutscher Siedler die Kontinuität aus ihren  Herkunfts-
  orte  unter Oberhoheit der katholischen Kirche zu ermöglichen.
  Jonas  Hulini unterstanden 5 Mönche, die in den Fächern Musik,
   Religion, Geografie, Mathematik und Geschichte in lateinischer
  Sprache  unterrichteten, später wurde auch das Fach Deutsch
  und  Ungarisch hinzugezogen.                           Maria Theresia
  Wenn im ersten  Schuljahr (1751) bereits 20 Schüler am  Unterricht  teilnahmen, so waren es im Jahr 1763 nur noch 10 .
  Im Jahr 1777 wurde das Schulsystem  durch Maria Theresia  reformiert und die Sommerferien, in Anbetracht der
  landwirtschaftlichen Belange,  auf drei Monate verlängert,  so konnten bereits 109 Schüler im Jahr 1784 am Schul-
  Unterricht teilnehmen.
  Die  Aufgabe der Schule bestand darin die Moral der  Gesellschaft zu stärken und eine humanistische  Erziehung  einer,
  durch die Osmanische Besatzung verarmte Region, zu vermitteln.
  Bis im Jahr 1772 bestand die lateinische Schule aus drei Klassen.
  Margareta Tomejan, Ehefrau des Ortgründer  Baron Bibich, erweiterte
  die Schule mit einer Oberstufe bestehend aus den  Klassen vier und
  fünf, genannt "Humanioara", durch eine zusätzliche Subvention von
  15000 Kronen., somit erhielt die lateinische Schule den Status eines
  Gymnasiums.
  Bereits im Jahr 1774 verfasst Margareta Tomejan ihr Testament, das
  im Jahr 1776 von Maria Theresia genehmigt wurde. Im gleichen  Jahr
  wird durch ein  Schulgesetz die obligatorische Teilnahme an einer
  Elementarschule beschlossen.
  Baron Jakob Bibich, Ortgründer der Gemeinde Sanktanna, genehmigte
  Margareta Tomejan großzügige Stipendien an Schüler des Gymnasiums in Sanktanna.
             
  Im Jahr 1784 wird die lateinische Unterrichtssprache in Transilvanien und Ungarn durch die deutsche Sprache , auf
  Befehl von Kaiser Josef der II, ersetzt.
  Im Jahr 1805 tritt in Kraft der neue Schulkodex, welcher die Teilnahme am Schulunterricht von Kindern aus ärmeren
  Gesellschaften  erschwert, somit verzeichnet die Schule Sanktanna im Schuljahr 1814-1815 nur 47 Schüler. Bedingt
  durch die große Dürreperiode im Jahr 1794 und des ersten Dorfbrands im Jahr 1791 sinkt die Anzahl der Klassen auf
  insgesamt  fünf.
 

Gesamtanzahl der Schüler, die am Unterricht teilnehmen

 
Schüler 213 142 47 47 282 394 248 225 238 398 288 307 587 702 681
Jahr 1796 1801 1814 1815 1818 1820 1821 1824 1825 1826 1827 1828 1833 1835 1841
 
 
 
Schüler 612 570 556 513 633 645 779 706 726 821 865 325 685 712
Jahr 1846 1848 1853 1855 1858 1859 1861 1863 1865 1866 1870 1875 1880 1886
 
 
  Quelle:  Handaufzeichnung von Josef Ackermann, keine Informationen über Anzahl der Klassen oder anderen Details.
  Anmerkung: Der Rückgang im Jahr 1875 ist durch den Ausbruch einer  Epidemie mit Infektionskrankheiten zu erklären,
                             interessant wäre zu wissen, welche Erklärung der enorme Rückgang  von 142 Schüler im Jahr 1801   auf
                             47 Schüler im Jahr 1814, plausibel vermittelt.
   Fortsetzung folgt:    Die Sankt-Anna Schule hat uns noch reichliche Unterlagen aus dem Archiv zur Verfügung gestellt,  
                             die noch gesichtet und ausgewertet werden muss.
  Es  ist bereits zum jetzigen Zeitpunkt erkennbar:  Die Akkumulation von materiellen Werte hatte  absoluten  Vorrang,
  die Professionalisierung setzte erst nach 1945 ein. Ist dies die Segnung des Kommunismus (?), eher "Nein" es ist höchst-
  wahrscheinlich der unmittelbare Zwang zum Überleben, der aus der Enteignung aller Wirtschaftsgüter der Deutschen
  in Rumänien im Jahr 1945, als logische Konsequenz erfolgte.